Sonntag, 4. August 2013

Aller Anfang ist schwer

Köln - Es klingelt, der Taxifahrer. "Mach hin," stresse ich Anja. Gashahn zu, Wasserhaehne zu, alle Stecker raus, Rucksaecke anziehen: grosser Rucksack hinten, kleiner Rucksack vorne, raus aus der Tuer, abschliessen. Die Ereignisse ueberschlagen sich. Treppe runter, wieder raus aus der Tuer und rein ins Taxi. Ab zum Bahnhof.

Wir sind knapp dran.

Kommt man an einem sehr warmen Augusttag in die Eingangshalle des Koelner Hauptbahnhofes und erkennt auf der grossen blauen Anzeigetafel: fast alle Zuege im Nah- und Fernverkehr haben exorbitante Verspaetungen, waehrend sich die Schlange am Informationsschalter quer durch die gesamte Halle zieht, dann ist der Zeitpunkt gekommen, wo alle Alarmglocken angehen sollten, will man seinen Langstreckenflug von Frankfurt nach Singapur nicht verpassen.

Mit Absicht sage ich sollten die Alarmglocken angehen. Denn erstmal habe wir, bzw. ich ein anderes Problem. In der Hektik des Aufbruchs habe ich mein leider mittlerweile unverzichtbar gewordenes Smartphone am Ladekabel in der Steckdose verpeilt! Trottel! Bleibt mir nix anderes uebrig, als meine Freundin bei den Rucksacktuermen zu lassen, zurueck ins Taxi zu steigen, dem Fahrer zu erklaeren, ich habe es verdammt eilig und er moege auf die Tube druecken, Zug, Flug usw. Der Taxifahrer, eine ruhige Natur, nimmt es gelassen und faehrt lieber sein Tempo. Zu Hause angekommen geht alles sehr sehr schnell (Zeitraffer siehe oben).

Wieder im Taxi sitzend, widme ich mich der Nachricht meiner Freundin Anja, die im Bahnhof mit scharrenden Hufen und nicht unbegruendetem Koefschuetteln auf mich wartet. Unsere Bahn habe mittlerweile 50 Minuten Verspaetung, so ihre Whatsapp. Ich bedanke mich innerlich bei der Deutschen Bahn fuer ihr Verlaesslichkeit in Sachen Verspaetungen, denn sie entzerrt meine Situation deutlich und teile diese Neuigkeit meinem Taxifahrer mit. Wohlwollend nickend nimmt er diese Information in sich auf. An seinem Fahrstil aendert das nix.

Angekommen bei Anja mit den Rucksacktuermen erklärt sie mir den Ernst der Situation, die sich ueberhaupt nicht entzerrt hat, wegen der Bahn: "Ich stelle mich jetzt da an und frage, welche andere Moeglichkeit uns rechtzeitig nach Frankfurt bringt." Verwirrt durch die Ereigniskette nicke ich apathisch. 20 Minuten spaeter: Anja ist an einen freundlichen, kompetenten und vor allem schnellen Bahnmitarbeiter (kein Scheiss) geraten. Der nur so: "Singapur, cool, war ich auch schon. Dann aber schnell zu Gleis 6, ICE nach FFM Fernbahnhof." Er zueckt den magischen Stempel 'Zugbindung entfaellt' und wir rasen mit Vollgas zum Gleis 6. Dort die Durchsage: "Der ICE soundso, der auf Gleis 6 abfahren sollte, faehrt in Kuerze von Gleis 4 ab!" Herzlichen Glueckwunsch.  So schnell, wie es unser viel zu schweres Gepaeck zu laesst, rennen wir zu Gleis 4, kriegen den Zug, einen Sitzplatz auch, Ruhe, das Reisen beginnt.

Reisen - Singapur, Malaysia, Singapur, Indonesien, Singapur, Tanzania - diese Laender, in dieser Reihenfolge, mal kuerzer, mal laenger, das ist der Plan. Bepackt mit einem kleinem und einem grossem Backpack dauert unsere Reise drei Monate. Drei Monate schleppen wir, wie zwei Weinbergschnecken, unser Haus auf dem Ruecken herum. In unseren Rucksaecken neben Zahnbuersten, Badeklamotten und Co. auch Tauchgepaeck. Nun ist der menschliche Ruecken nicht unendlich belastbar, weswegen nur wirklich leichtes Tauchgepaeck seinen Weg in unsere Rucksaecke gefunden hat. Sperrig darf es schon gar nicht sein, denn Platz ist extrem begrenzt, begrenzter noch als unsere Zuladung, die 17 Kilogramm (kg) nicht ueberschreiten sollte.

Backpackingtauchausruestung geordnet nach Wichtigkeit, besser nach Notwendigkeit fuer meine Belange (ab und an moechte ich als Guide arbeiten): Maske, Schnorchel, Flossen (essentiell), Computer (mit vernuenftigen Freedive-Modus), Anzug (keiner friert gerne), Regulator (weil Leihmaterial haeufig schaebbig), Jacket (optional auch leihbar, zum Arbeiten aber besser eines dabei zu haben). Alle anderen Dinge sind 'nice to have'. Cool ist natuerlich ein UW-Gehaeuse fuer ne Kamera. Eine Lampe waere sicher fein, die Akkupacks sind aber wegen ihres Gewichts nicht wirklich backpackkompatibel.

Bis auf die Lampe stopfe ich das alles in meinen Rucksack (Anja beschraenkt sich auf Maske, Schnorchel und Jacket, sie sieht die Gepäcksituation ohnehin kritischer als ich). Ich stelle das Ding auf die Waage, schaue auf die Digitalanzeige und meine Kinnlade schlaegt durch bis zu meinem Fusssohlen. Das verdammte Schneckenhaus wiegt 23 kg, okay, zugegeben, mit Mitbringseln.

Die 23 kg sind das erlaubte Maximalgewicht unserer Airline, aber viel zu viel fuer meinen Ruecken. Was nun? Neu packen, Mitbringsel draussen lassen, noch mal wiegen, 20 kg, noch immer zu viel und kaum Platz fuer Neuanschaffungen in Asien. Okay, sage ich mir, du hast es so gewollt, du wolltest den Feldversuch. Ausserdem denke ich, naiv wie ich bin, das erste Teilstueck von Koeln nach Singapur muss ich das schwere Moped eh nicht oft schleppen. Zur Not specke ich bei meinem Kontakt in Singapur ab.

Also kommen die Mitbringsel wieder rein und ab nach Asien, Geschichten erleben, Geschichten beschreiben.

More to come....




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